Start Uhren & Technik Uhrentechnik Die Datumsanzeige
Die Datumsanzeige

Die am meisten verbereitete Komplikation ist mit Sicherheit die Datumsanzeige. Hier dominiert die digitale Anzeige mit Ziffern in einem Fenster. Es gibt viele unterschiedliche Implementationen für die Steuerung der Datumsanzeige, daher wird in den folgenden Abschnitten für jede Art der Indikation eine allgemein gültige und verständliche Variante beschrieben.

Beginnen wir mit der einfachsten und frühesten Form, ohne jegliche Komfortmerkmale wie Schnellverstellung oder augenblicklichem Datumswechsel.

Fensterdatum

Die Datumsanzeige besteht aus einem Metallring mit einer Innenverzahnung und einer aufgesetzten Scheibe aus Metall oder Kunststoff, auf der die Ziffern aufgedruckt sind. Die Scheibe läuft in einer Vertiefung der Werkplatine und wird durch Schrauben oder Brückenprofile an ihrem Platz gehalten. Damit sich das Datum nicht selbstständig verstellt, greift ein Finger, die sogenannte Datumsraste, in die Verzahnung der Datumsscheibe ein und hält diese mit Federkraft an ihrer Position fest.

Da die Datumsanzeige alle 24 Stunden um einen Schritt weiter geschaltet werden soll, bietet sich das Stundenrohr an. Wir erinnern uns, der Stundenzeiger ist darauf befestigt. Vom Datumsschaltrad mit einer 2:1 Untersetzung angetrieben, greift ein federnder Schaltfinger in die Verzahnung der Datumsscheibe und schiebt diese einmal pro Tag um einen Zahn weiter.

Da die Datumsraste ein Zurückdrehen der Datumsscheibe verhindert, ist der Schaltfinger als Feder ausgebildet, damit er beim Rückwärtsdrehen der Zeiger nicht beschädigt werden kann.

Das Datumsschaltrad bewegt sich sehr langsam, daher benötigt auch der Datumswechsel recht viel Zeit. Oft kann man bereits ab etwa 23 Uhr die Bewegung der Datumsscheibe erkennen und der Wechsel ist erst nach Mitternacht vollzogen. Durch Optimierung der Zahn- und Fingerformen konnte man den Übergang beschleunigen, ein wirklich augenblicklicher Datumswechsel ist jedoch nur mit zusätzlichem Aufwand zu erreichen. Eine oft verwendete Kompromisslösung ist der, in Stossrichtung zusätzlich gefederte, Schaltfinger. Er schiebt die Datumsscheibe erst weiter, wenn seine radiale Federkraft größer als die Haltekraft der Datumsraste geworden ist. Allerdings bewegt auch er die Datumsscheibe bereits vor der Umschaltung ein Stück weit, so dass man nicht von einer echten augenblicklichen Umschaltung sprechen kann.

In der einfachsten Form erfolgt die Einstellung des Datums relativ unkomfortabel durch Hin- und Herdrehen der Zeiger im Bereich von etwa 22:30 Uhr bis 0:30 Uhr. Auch hier brachte erst erhöhter konstruktiver Aufwand durch eine separate Schnellverstellung Abhilfe.

Das Datumsfenster kann übrigens an jeder beliebigen Stelle des Zifferblattes positioniert werden, lediglich die Beschriftung muß jeweils angepasst werde n.

 

Die Wochentagsanzeige

Nach der Einführung des Kalenderdatums dauerte es nicht lange, bis auch die Kombination mit dem Wochentag in Armbanduhren realisiert wurde.

Wochentagsanzeige

Der Schritt von der Datumsanzeige zur Wochentagsanzeige ist sehr klein. Auf dem Datumschaltrad sitzen statt eines nun zwei, um etwa 180° versetzte Finger. Der zweite Finger greift in ein sternförmiges Rad, welches an der Wochentagsscheibe befestigt ist. Diese sitzt frei drehbar auf dem Stundenrohr, ihr Stern wird genau wie die Datumsscheibe von einer rastenden Feder festgehalten.

Meist sind die Wochentage auf drei Buchstaben abgekürzt und mehrere Sprachen ineinander verschachtelt. Bei der hier ohnehin nötigen Schnellverstellung kann dann die gewünschte Sprache gewählt werden. Die anderen werden beim Sch altvorgang übersprungen, da die Verzahnung des Schaltsterns nur jeweils mit einer Sprache korrespondiert.

Die Schaltfinger für Datum und Wochentag sind oft leicht versetzt, damit nicht beide Scheiben zur gleichen Zeit umspringen und dem Uhrwerk zuviel Energie entziehen.

 

Das Zeigerdatum

Eine optische Variante des digitalen Datums ist das Zeigerdatum. Hier wird das Kalenderdatum nicht mittels einer Scheibe in einem Fenster des Zifferblattes, sondern über einen zentral angeordneten Zeiger dargestellt. Die Indikation der Datumsziffern erfolgt dabei direkt auf dem Zifferblatt einem eigenen Kreis.

Zeigerdatum

Eine Variante ist die Darstellung in einem separaten Hilfszifferblatt. Die Funktion unterscheidet sich hier jedoch nicht von der unten beschriebenen, der Datumsschaltstern sitzt hierbei nicht auf dem Stundenrohr sondern hat eine eigene Achse ausserhalb des Zifferblattzentrums.

Zwischen dem Stundenrohr und dem Minutenrohr befindet sich ein weiteres für den Datumszeiger. Es ist als Schaltstern ausgebildet und wird, wie auch beim digitalen Datum, vom Datumsschaltfinger auf dem Datumsschaltrad einmal am Tag um eine Position weiter gerückt. Auch hier verhindert eine Haltefeder das selbstständige Verdrehen des Schaltsterns.

 

Der augenblickliche Datumswechsel

Der schleichende Datumsübergang um Mitternacht ist sicherlich kein Nachteil, zumindest kann man auch um Mitternacht herum das aktuelle Datum erkennen, was bei der Schnellschaltung nicht der Fall ist. Dort muss man zur korrekten Bestimmung schon ganz genau wissen, zu welcher Zeit die Umschaltung erfolgt. Als, nach Rolex, immer mehr Hersteller ihre Werke mit augenblicklich schaltenden Datumsanzeigen ausstatteten, galt es als ein besonderes Qualitätsmerkmal und auch schick, wenn aus dem Werk um Mitternacht der kurze Klick zu hören war.

Für die augenblickliche Umschaltung gibt es etliche unterschiedliche Lösungen. Sie unterscheiden sich jedoch nicht im Funktionsprinzip, allenfalls in der Anordnung und Form der Komponenten.

 

augenblickliche Datumschaltung

Die Skizze zeigt eine Variante, wie man sie im Elite und El Primero von Zenith findet.

Das Datumschaltrad trägt den Schaltfinger, der konzentrisch aber frei beweglich auf dessen Achse sitzt. Seine Bewegungsfreiheit wird durch einen Mitnehmerstift, der in eine Ausfräsung des Rades greift, eingeschränkt. Innerhalb dieser kann er sich frei bewegen und wird vom Datumsschaltrad mitgenommen, sobald er das linke Ende ereicht hat

Wenn sich der Schaltfinger wenige Stunden vor Mitternacht dem Schaltzeitpunkt nähert, gleitet er über die Haltefläche einer Wippe die mittels einer Feder auf seine Oberseite gepresst wird. Er drückt nun solange gegen diese Wippe, bis er exakt um Mitternacht die Auslösefläche erreicht.

Innerhalb von Sekundenbruchteilen drückt nun die Auslösefläche der Wippe den Schaltfinger gegen den Schaltzahn der Datumscheibe (der Finger kann sich in der Ausfräsung ja vorwärts bewegen) und lässt diese um eine Position vorwärtsspringen. Dort bleibt der Schaltfinger dann stehen, bis ihn das Ende der Ausfräsung eingeholt hat und er auf die nächste Umschaltung zusteuert.

Der exakte Schaltpunkt kann durch einen Exzenter, auf dem die Wippe gelagert ist, justiert werden. Bei manchen Werken befindet sich auch die gesamte Steuerung (Wippe und Wippenfeder) auf dem Datumsschaltrad selbst. Die Umschaltung einer Wochentagscheibe wird auf die selbe Weise gelöst.

 

Die Datumschnellverstellung

Das Verstellen des Datums durch Drehen der Zeiger wurde recht bald unbeliebt, musste man doch gleichzeitig die Uhrzeit wieder korrigieren. So dauerte es nicht lange, bis zur Einstellung des Datums eine weitere Kronenposition realisiert wurde.

 

Datumschnellverstellung

Das Bild zeigt die Datumschnellverstellung wie sie in den Werken El Primero und Elite von Zenith realisiert ist. Sie unterscheidet sich nicht wesentlich von der anderer Werke, mit der Ausnahme, dass die Verstellung bei völlig gezogener Krone erfolgt, während die Zeigerstellung in der mittleren Position durchgeführt wird.

Im Bild sind Krone und Aufzugwelle in der äusseren Position (Datumsstellung). Vom Schiebetrieb wird die Drehbewegung auf ein Zwischenrad, das auch zur Zeigerstellung verwendet wird, übertragen.

Danach folgt eine Steuerwippe die drehbar gelagert vom Winkelhebel bei Ziehen oder Drücken der Krone verstellt wird. Diese Steuerwippe leitet nun die Bewegung über ihre zwei Rädchen zu einem Schaltstern der die Datumscheibe Schritt für Schritt weiterschaltet.

 

 

 

 

Position Zeigerstellung

Dieses Bild zeigt die Komponenten in der Position Zeigerstellung.

Krone und Aufzugwelle sind in der mittleren Position und der Winkelhebel hat die Steuerwippe freigegeben. Diese wird nun durch Federkraft (Feder nicht eingezeichnet) auf der linken Seite nach unten gedrückt, so dass das linke Übertragungsrädchen der Wippe am Zeigerstellrad anliegt.

Der Datumschaltstern ist somit freigegeben und die Drehbewegung wird an das Zeigerstellrad weitergegeben.

Grundsätzlich funktionieren auch andere Schnellverstellungen auf die selbe Art und Weise. Diese Funktionsumkehr ist eine spezifischen Eigenart der Zenith-Werke und liegt in der Anordnung der Steuerwippe begründet.

 

 

 

 

Position Aufzugstellung

Das letzte Bild zeigt, der Vollständigkeit halber, noch die Aufzugstellung.

Krone und Aufzugwelle sind ganz eingedrückt, der Winkelhebel hat sich von der Steuerwippe gelöst und die Wippe des Schiebetriebs wird durch Federkraft (Feder nicht eingezeichnet) nach rechts gedrückt, so dass die Breguet-Verzahnung des Schiebetriebes in die korrespondierende Verzahnung des Aufzugtriebes eingreift.

Die Datum- und Zeigerstellkomponenten sind nun freigestellt und die Drehbewegung wird duch das Aufzugtrieb auf das Kronrad und von dort auf das Federhaus übertragen.

Anmerkung: Der Datumschaltstern ist, zur besseren Übersichtlichkeit, in allen drei Zeichnung auf der Unterseite gebrochen dargestellt, tatsächlich ist dies natürlich nicht der Fall.

 

 

 

Achtung: Da sich beim normalen wie auch beim augenblicklichen Datumswechsel der Mechanismus bereits deutlich vor der Umschaltung im Eingriff befindet, sollte niemals zwischen 22:30 und 1:00 Uhr eine Datumsumschaltung vorgenommen werden. Die empfindlichen Schaltfinger könnten hierbei beschädigt werden. Manche Uhren mit umfangreicheren Kalender-Funktionen schließen gar einen Bereich zwischen 21:00 und 3:00 Uhr aus.

 

Das Grossdatum

Als exklusive Alternative der normalen Datumsanzeige wurde, nicht zuletzt durch die sehr aufwändige Umsetzung von A. Lange & Söhne in Glashütte, das Grossdatum in Armbanduhren populär. Die Ziffernhöhe ist hier um bis zu 200% grösser als bei herkömmlichen Datumsanzeigen. Die folgende Skizze zeigt eine recht einfache Lösung von Jaquet-Baume aus La Chaux de Fonds, die als Zusatzfunktion in herkömmliche Werke integriert werden kann.

Grossdatum

Bei dieser Konstruktion liegt das Datumsfenster bei 12 Uhr. Die herkömmliche Datumsscheibe trägt nur noch die Einerstellen, die Beschriftung ist der Fensterposition entsprechend angepasst. Über der Einerscheibe sitzt eine kreuzförmige Zehnerscheibe die auf der Unterseite einen vierarmigen Schaltstern trägt. Dieser wird, wie die Einerscheibe, von einer Feder in seiner Position gehalten.

An der Oberseite der Einerscheibe sitzen vier Schaltnocken, die die Zehnerscheibe jeweils beim Wechseln von 9 auf 0 um eine Position weiterschalten. Zwei davon folgen unmittelbar aufeinander, da ja nach der Umschaltung von 29 nach 30 bei 31 gleich wieder ein Wechsel der Zehnerscheibe auf ein leeres Feld erfolgen muss.

Die Lösung von A. Lange ist allerdings wesentlich komplizierter ausgeführt. So wird dort eine kleine Einerscheibe mit den Ziffern 0 bis 9 eingesetzt, der korrekte Wechsel zwischen 31 und 0 übernehmen zusätzlich Programmräder. Die Haltefedern sind, zur Minimierung von Verschleiss und Reibung, allesamt mit Rubinrollen versehen.

 

Das Panoramadatum

Da der, wegen der sich überlappenden Datumsscheiben, benötigte Trennsteg im Datumsfenster manchmal als störend empfunden wird, hat Glashütte Original das Panoramadatum entwickelt. Diese Konstruktion ist technisch einfacher und kommt nur mit wenigen zusätzlichen Bauteilen aus, allerdings ist die Größe der Datumsziffern etwa 20% kleiner als beim Großdatum und die Position auf dem Zifferblatt konstruktionsbedingt etwas unharmonisch.

Panoramadatum

 

Die Indikation besteht aus zwei konzentrischen Scheiben, die innere für die Zehner-, die äussere für die Einerstellen. Beide liegen auf der selben Höhe. Die ursprüngliche Datumsscheibe trägt Schaltstifte die die Einerscheibe um Mitternacht jeweils eine Stelle weiter transportieren. Beim Wechsel auf Null schiebt ein Schaltnocken der Einerscheibe den Schaltstern der Zehnerscheibe ebenfalls um eine Position weiter.

Beim Wechsel von 31 auf die nächste Position sorgt ein anders positionierter Schaltstift dafür, daß die Einerscheibe auf 1 stehenbleibt und stattdessen die Zehnerscheibe auf das leere Feld weiterrückt.

Der gesamte Mechanismus wurde ebenfalls von Jacquet-Baume in La Chaux de Fonds entwickelt und sitzt auf einer zusätzlichen Platine. Er ist ebenfalls grundsätzlich für alle Uhrwerke mit normaler Datumsindikation geeignet, ist aber zumindest vorläufig für Glashütte Original reserviert, was vermutlich auch den exorbitanten Aufpreis erklärt.