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Die Gangreserveanzeige

Wohl jeder hat schon einmal eine Uhr mit einer Gangreserveanzeige auf dem Zifferblatt, ähnlich der hier abgebildeten, gesehen. Manch einer besitzt auch eine Taschen- oder Armbanduhr die mit einer solchen Indikation ausgestattet ist, weiss aber nicht wie das nützliche Zeigerchen funktioniert, da Beschreibungen zu diesem Thema eher selten zu finden sind.

Gangreserveanzeige

Meist beschreibt die Anzeige einen Halbkreis oder auch ein kleineres Kreissegment. Die Beschriftung kann direkt in Stunden erfolgen, man findet aber auch Skalen von Null bis zu einem Ganzen mit entsprechender Unterteilung oder die Bezeichnungen Auf für Aufzug und Ab für Ablauf.Die Firma A. Lange & Söhne in Glashütte hat gar eine Uhr nach dieser Indikation benannt.

 

Die Meinungen über Sinn und Unsinn einer solchen Indikation gehen teilweise auseinander, sie macht jedoch bei Handaufzug- wie auch bei Automatikuhren Sinn, wie ich finde. Bei Handaufzug, weil man sofort sieht, ob man mal das tägliche Aufziehen vergessen hat und bei Automatischen, weil man da ohnehin nie weiss, wie es um die Federspannung nach einem geruhsamen Tag im Büro oder zuhause auf der Couch bestellt ist.

 

Die Funktion

Würde das Federhaus beim Ablaufen immer wieder an seine Ursprungsposition zurückkehren, so wie der Federantrieb eines Schuco-Autos, wäre die Realisierung der Gangreserve schnell erledigt: Ein Zeiger mittels Untersetzung an das Federhaus gekoppelt und fertig.

Leider ist die Sache nicht ganz so einfach: Da das Federhaus beim Ablaufen der Aufzugbewegung des Sperr-Rades hinterherläuft und somit die selbe Drehrichtung einschlägt, gibt es keine definierte Anfangs- und Endposition. Das Mass für die Spannung im Federhaus ist die Differenz zwischen der Aufzug- und der Ablaufdrehung und die gilt es anzuzeigen.

Differnzialgetriebe

Benötigt wird also ein Differenzialgetriebe wie wir es prinzipiell auch vom Auto her kennen. Über Zwischenräder wird die Drehbewegung des Sperr-Rades beim Aufziehen und die des Federhauses beim Ablaufen auf zwei unabhängig voneinander auf einer Achse gelagerte Räder übertragen. An der Achse selbst, die auch den Zeiger für die Anzeige trägt, ist fest die Achse des Kegel- oder Planetenrades befestigt.

Beim Aufziehen dreht sich das vom Sperr-Rad angetriebene "Auf"-Rad schneller als das vom ablaufenden Federhaus angetriebene "Ab"-Rad und zwingt somit die Achse des Planetenrades zu einer Schwenkbewegung. Hierbei wird der Zeiger in Richtung Vollaufzug verschoben. Ist der Aufzug beendet, bleibt das Sperr-Rad und somit auch das "Auf"-Rad stehen, das sich jetzt alleine drehende "Ab"-Rad zwingt nun die Achse des Planetenrades in die entgegengesetzte Richtung, der Zeiger wandert langsam gegen Null.

Ist die Aufzugsgeschwindigkeit gleich der Ablaufgeschwindigkeit, wie es bei automatischen Uhren während des normalen Tragens oft der Fall ist, so dreht sich zwar das Planetenrad, seine Achse und somit auch die Anzeige verharren jedoch im Stillstand. Dies ist auch völlig korrekt, denn die Gangreserve bleibt jetzt stabil.

Die Untersetzung der Zwischenräder ist so gewählt, dass die maximale Umdrehung des Federhauses zwischen Vollaufzug und Ablauf auf den Skalenwinkel der Indikation angepasst wird. Läuft ein Federhaus z.B. innerhalb von 5 Umdrehungen ab und die Skala beschreibt, wie im oben gezeigten Beispiel, einen Winkel von 180°, so muß die Untersetzung 10:1 betragen.

 

Varianten

Neben der oben beschriebenen, ist noch eine weitere, einfachere Variante bekannt. Bei dieser entfällt das Planetenrad, dafür treibt das Sperr-Rad über ein Zwischenrad die jetzt drehbare Skala auf dem Zifferblatt an. Das Federhaus übernimmt, ebenfalls via Zwischenrad, den Antrieb des Zeigers in die entgegegesetzte Richtung.

Beim Aufziehen nimmt ein Anschlagstift am Skalenende den, mit eine r Rutschkupplung versehenen, Zeiger mit und hält ihn auf der Position Vollaufzug fest. Läuft das Federhaus nun ab, bewegt sich der Zeiger in Richtung Null.

Die optischen Nachteile dieser Konstruktion sind offensichtlich, mir ist auch keine Uhr aus aktueller Produktion bekannt die auf diese Art der Gangreserveanzeige zurückgreift.