| Die Zentralsekunde |
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Am Anfang war die kleine Sekunde Am Anfang der Lektionen haben wir gelernt, aus welchen Rädern ein Uhrwerk besteht und wo die Zeiger montiert sind. Da das Sekundenrad entweder bei 6 Uhr (Savonnette-Kaliber) oder 9 Uhr (Lépine-Kaliber) positioniert ist, wurde als logische Konsequenz auch viele Jahre der Sekundenzeiger dort platziert. Ich kann nicht sagen, ob ein Diktat der Mode oder eine rationellere Fertigung der Zifferblätter in den späten 50er Jahren den Ausschlag gab, Uhren mit zentralem Sekundenzeiger auszustatten. Innerhalb der folgenden 10 Jahre hat sich praktisch die gesamte Industrie umgestellt, die heute wieder gerne gesehene kleine Sekunde war unpopulär, ja geradezu altmodisch geworden. Nun gab es natürlich keine Uhrwerke, die diese Anordnung à priori unterstützt hätten, also behalf man sich anfangs mit Anpassungen vorhandener Werke. Diese verfügten dann über die sogenannte indirekte Zentralsekunde. Neuen Entwicklungen wurde bereits bei der Konstruktion eine direkte Zentralsekunde spendiert. Als Ironie des Schicksals könnte man die Tatsache bezeichnen, daß gerade für diese Werke heute Module zum Umbau auf eine kleine Sekunde angeboten werden.
Die indirekte Zentralsekunde Wie wir gelernt haben, liegt beim klassischen Uhrwerk mit kleiner Sekunde das Sekundenrad im direkten Kraftfluss des Räderwerks. Dies ist bei einer nachträglichen Modifikation natürlich nicht möglich, da das Sekundenrad axial zu weit vom Zentrum entfernt liegt und daher zum Antrieb eines zentralen Zeigers nicht herangezogen werden kann. Daher wurde in der Regel das Kleinbodenrad (wir erinnern uns: es liegt zwischen dem zentralen Minutenrad und dem Sekundenrad) als Antriebsquelle auserkoren. Die folgende Skizze zeigt den Aufbau:
Die Achse des Minutenrohres ist hohl gebohrt und nimmt wiederum die hauchdünne Achse für den zentralen Sekundenzeiger auf. An deren unterem Ende befindet sich ein Trieb welches in ein Zwischenrad, das auf der Achse des Kleinbodenrades sitzt, eingreift. Der Sekundenzeiger wird also nicht mehr vom Sekundenrad gesteuert, sondern indirekt vom Kleinbodenrad aus. Er ist dem Sekundenrad quasi parallel geschaltet. Wie man ebenfalls erkennen kann, liegt der Sekundenzeiger nicht im Kraftfluss des Räderwerks, er läuft also leer mit. Dies hat zur Folge, das er sich unter Umständen (z.B. bei einem schweren Zeiger) ruckelnd vorwärts bewegt, die Zahnluft der Räder wirkt sich hier aus. Durch eine kleine Blattfeder, die von der Werkunterseite auf die Achse des Sekundenzeigers drückt, versucht man das Ruckeln zu verhindern, da die Feder den Zeiger leicht abbremst und die Zahnluft so auffängt.
Die direkte Zentralsekunde Bei Neukonstruktionen wurde dann natürlich die elegantere direkte Zentralsekunde eingeführt. Da man jetzt auf kein bestehendes Layout des Räderwerks mehr Rücksicht zu nehmen brauchte, konnte man den Sekundenzeiger direkt ansteuern und auf das Zwischenrad verzichten. Die folgene Skizze zeigt die Unterschiede:
Wie bei der indirekten Zentralsekunde ist auch hier die Achse des Minutenrades hohl gebohrt um die des Sekundenzeigers aufzunehmen. Auf dieser sitzt nun direkt das Sekundenrad Es wird vom Kleinbodenrad angetrieben und treibt gleichzeitig das Ankerrad an. Der zentrale Sekundenzeiger liegt hier also direkt im Kraftfluß des Räderwerks, was einen sichtbar gleichmäßigeren Gang zur Folge hat. Eine Unwucht des Zeigers kann sich nicht mehr auswirken und auch beim Hin- und Herdrehen der Uhr kann der Sekundenzeiger keine Kippbewegungen mehr ausführen. Abgesehen von einigen alten Kalibern, die noch produziert werden, verfügen alle aktuellen Uhrwerke über eine direkte Zentralsekunde.
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