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Es gibt kaum ein Uhrwerk das besser für eine praktische Einführung geeignet ist, als das Unitas/ETA 6498-1 Taschenuhrenkaliber. Es ist ausreichend groß dimensioniert und sehr übersichtlich aufgebaut, so daß auch Einsteiger relativ problemlos damit zurecht kommen.
Zum besseren Verständnis ist links eine Zeichnung des Unitas 6498, die alle wichtigen Komponenten darstellt. Wir können die zwei Brücken und den Unruhkloben sowie die teilweise verdeckten Räder erkennen. Übersicht der Einzelteile Es gibt kaum ein Uhrwerk das besser für eine praktische Einführung geeignet ist, als das Unitas/ETA 6498-1 Taschenuhrenkaliber. Es ist ausreichend groß dimensioniert und sehr übersichtlich aufgebaut, so daß auch Einsteiger relativ problemlos damit zurecht kommen. Zum besseren Verständnis ist links eine Zeichnung des Unitas 6498, die alle wichtigen Komponenten darstellt. Wir können die zwei Brücken und den Unruhkloben sowie die teilweise verdeckten Räder erkennen.  | Alle benötigten Einzelteile sind auf dem nächsten Bild aufgereiht. Daneben ist noch einiges an Werkzeug nötig: Ein Satz Uhrmacherschraubenzieher von 0,3 bis 2,5mm, Uhrmacherpinzetten in unterschiedlichen Breiten, ein Zeigerabzieher und Aufsetzer, eine Werkhaltevorrichtung, Reinigungsgummi (Rodico), Uhrmacherlupen mit 2,5x und 10x Vergrößerung und ein Staubausbläser.
Ganz wichtig für Nachahmer: Baumarktwerkzeug hat hier absolut nichts verloren, es ist weder antimagnetisch noch stabil genug um die teilweise sehr schmalen Schraubenschlitze nicht zu beschädigen. Für viele Schrauben muß eine Klinge erst passend geschliffen werden, daher sollte sie austauschbar und ein entsprechende Vorrat vorhanden sein. Wer also selbst einmal Hand an eine Uhr legen möchte, bitte zuerst etwas Geld in gutes Werkzeug investieren und nicht gleich mit einer JLC UltraThin anfangen. | | Im Bild links sind sämtliche Einzelteile nach Funktionsgruppen aufgereiht. Von links unten beginnend sind dies: Die Grundplatine, darüber das Federhaus, daneben das Großbodenrad (Minutenrad), dazwischen das Minutenrohr. Darüber liegt die Federhausbrücke mit den drei Schrauben zur Befestigung und ganz links oben das Kronrad, das Sperr-Rad, die Sperrklinke mit Feder und die Schrauben mit denen die Räder befestigt werden. Rechts oben das Ankerrad, das Sekundenrad und das Kleinbodenrad (Zwischenrad), darunter die Räderwerksbrücke und ihre Schrauben. In der Mitte rechts liegt der Unruhkloben mit der Unruh, der Anker und die Ankerbrücke, darunter die entsprechenden Schrauben zur Befestigung. Rechts unten das Stundenrad, das Wechselrad, die Zeigerstellräder, die Wippe, die Wippenfeder und die Stellhebelfeder. In der Mitte die Aufzugwelle mit Krone, der Winkelhebel, die Winkelhebelschraube, das Schiebetrieb und das Aufzugstrieb mit Breguet-Verzahnung | | Die Stufen der Remontage Beginnen wir mit der Montage der Aufzugswelle. Von der Zifferblattseite der Grundplatine legen wir zuerst das Schiebetrieb und das Aufzugstrieb in die entsprechende Aussparung der Platine, führen die Aufzugswelle ein und sichern sie mit dem Winkelhebel und dessen Schraube. Diese ist von der Unterseite her zugänglich und wird später immer wieder zum Aus- und Einbau der Aufzugswelle benötigt. Es reicht dann ein Lösen, die Schraube muss nicht entfernt werden. | | Die nächsten Schritte sind auf der Unterseite der Grundplatine auszuführen. Wir legen das Federhaus in seine Aussparung und führen das Minutenrad durch seine Lagerstelle (Steinlager), so dass das längere Ende zum Zifferblatt hin zeigt. Nun kann die Federhausbrücke vorsichtig aufgesetzt und verschraubt werden werden. | | Jetzt können die restlichen Komponenten des Aufzugs montiert werden. Das Kronrad verfügt über eine kleine, ringförmige Feder und ist daher axial beweglich. Dies ist nötig, damit es sich mit dem Aufzugtrieb nicht verklemmen kann. Aufgepasst: Die Kronradschraube hat Linksgewinde! Nachdem die Sperrklinkenfeder mit ihrer Nase in der entsprechenden Bohrung verankert ist, kann die Sperrklinke eingelegt und verschraubt werden. Zuletzt folgt noch das Sperr-Rad, es passt auf den Vierkant des Federhauses und wird ebenfalls verschraubt. | | Der Aufzug wäre jetzt komplett und funktioniert auch, allerdings läuft er auch sofort wieder ab, das Räderwerk und die Hemmung fehlen ja noch. Zwischendurch wird noch schnell das Minutenrohr, das später den Minutenzeiger trägt auf die Achse des Minutenrades gepreßt. Es hat in seiner Bohrung ein leichte Klemmung und wirkt somit als Kupplung, damit die Zeiger unabhängig vom Räderwerk verstellt werden können. | | Weiter geht es mit dem Räderwerk. Der Reihe nach wird zuerst das Kleinbodenrad (Zwischenrad), dann das Sekundenrad und zuletzt das Ankerrad vorsichtig mit den Zapfen in die Bohrungen der Steinlager einsortiert. Gleichzeitig muß durch Drehen dafür gesorgt werden, daß die Räder und Triebe korrekt ineinandergreifen und die Achsen absolut senkrecht stehen. Andernfalls lässt sich die Räderwerksbrücke nicht aufsetzen oder wir beschädigen einen der empfindlichen Lagerzapfen. | | Nachdem wir die Räderwerksbrücke endlich sauber auf der Grundplatine aufgesetzt und verschraubt haben, ist uns klar geworden, daß das Uhrmacherhandwerk nichts für Grobmotoriker oder Menschen mit ausgeprägter Sehschwäche ist. Geduld sollte einem ebenfalls in ausreichender Menge in die Wiege gelegt sein. Selbst bei diesem gross dimensionierten Uhrwerk ist es für Ungeübte nicht einfach, mit der Lupe vor dem Auge, von oben durch die Lagersteine spähend (gottseidank sind die durchsichtig), drei aneinander gelehnte Räder erstens in Einklang und zweitens in die Bohrungen der Lager zu bringen. | | Das hat jetzt fast soviel Zeit gebraucht, als alle Schritte zuvor, daher machen wir gleich und ohne Kaffeepause weiter. Da bei dieser Werkevariante das Spiralklötzchen nicht am Kloben verschraubt sondern verklebt war, habe ich diese Teile bei der Demontage zusammengelassen. Das macht den Einbau allerdings etwas kitzliger da der Unruhreif nun untrennbar mit dem Kloben verbunden ist, sich aber immer selbstständig machen möchte, was der Spirale auf Dauer bestimmt nicht gut tut. | | Der Anker wird mit dem Zapfen in sein Lager in der Grundplatine vorsichtig eingelegt. Hier heißt es aufgepasst, er sieht auf beiden Seiten gleich aus, man muss also auf die Form der Ankergabeln und der Palettensteine achten, um ihn richtig herum einzusetzen. Macht man hier einen Fehler, wird die Uhr erstens nicht laufen und zweitens der Anker vermutlich beschädigt werden. Das Unitas 6498 verfügt nicht über einstellbare Begrenzungsstifte für den Anker, sondern hat in der Ankerbrücke zwei Nocken als Anschläge. Auf dem Foto links kann man diese in der Aussparung gut erkennen. | | Die Brücke sitzt und nun können wir das Federhaus mal ein Stück weit aufziehen. Es läuft jetzt nicht mehr ab da der Anker ja das Ankerrad blockiert. Wenn man ihn mit der Pinzette vorsichtig hin- und herbewegt, erkennt man die winzigen Schritte die die nachfolgenden Räder ausführen. Um die Werkeunterseite fertigzustellen, fügen wir die letzte Komponente der Hemmung, die Unruh mit Spirale und Kloben hinzu. Auf dem Foto links kann man an der linken, unteren Seite des Unruhreifs die, beim Auswuchten vorgenommenen, Abtragungen erkennen. | | Prinzipiell läuft die Uhr jetzt schon, wir geben aber nicht auf und vervollkommnen unser Werk noch mit den Komponenten der Zeigerstellung. Das Foto links zeigt alles was wir dazu brauchen: Zwei Zeigerstellräder die vom Schiebetrieb angetrieben werden, die Wippe mit ihrer Feder, das Wechselrad, welches die Verbindung zwischen Minuten- und Stundenrohr herstellt sowie das Stundenrohr selbst. | | Etwas knifflig ist das Einsetzen der u-förmigen Wippenfeder. Sie liegt in einer ganz flachen Mulde und wartet nur darauf, in hohem Bogen herausspringen zu können bevor man glücklich die Winkelhebelfeder mit ihrer breiten Grundplatte aufgesetzt und festschraubt hat. | | Jetzt ist die Remontage der Werks abgeschlossen. Das Foto links zeigt die Krone in gezogender Position. Man kann die Stellung des Schiebetriebes an den Zeigerstellrädern gut erkennen, das Aufzugtrieb läuft jetzt leer auf der Achse mit. | | Wir haben es geschafft, das Unitas 6498 ist fertig montiert und bietet den gewohnten Anblick. Die vorliegende Variante ist das preiswerteste Modell und ohne jegliche optische Finesse. Lediglich ein aufgewalztes Blockmuster ziert die Brücken. Auch die Räder und Schrauben sind völlig ohne Verzierungen. Trotzdem bietet es einen höchst erfreulichen Anblick, schliesslich haben wir es soeben, ohne fremde Hilfe, zusammengebaut. | | Funktionsprüfung & Einschalen Jetzt wollen wir natürlich wissen, ob es tut. Ein paar Drehungen an der Krone ... und ... BINGO! Ein laut und deutlich zu vernehmendes Tick-Tack und das gleichmässige Hin und Her der Unruh lässt uns zufrieden nach der Kaffeetasse greifen. Immerhin haben wir keine kapitalen Fehler gemacht. Jetzt das Federhaus komplett aufgezogen und mit der Krone die Funktion der Zeigerstellung ausprobiert. Top - sie rastet sauber ein, das Stundenrohr bewegt sich. | | Bevor das Werk in seine Schale zurückkommt will ich es aber doch noch genauer wissen. Die drei Zeiger sind schnell provisorisch aufgesetzt, die Zeit nach der Funkuhr gestellt und nach ein, zwei Tagen die Gewissheit das alles in Ordnung ist. Das einfache Werk läuft sogar erstaunlich genau: Auf der Zeitwaage halten sich die lagebedingten Abweichungen innerhalb von etwa 5 Sekunden, der recht starke Vorgang ist schnell auf ein paar wenige Sekunden reduziert. | | Jetzt darf das Unitas 6498 wieder in seine Schale zurück. Zuerst das Zifferblatt aufgesetzt und mit den Exzenterschrauben gesichert, danach die Zeiger sauber aufgedrückt und ihre Position während einiger Umgänge überprüft. Nun muss die Aufzugswelle nochmals durch Lösen der Stellhebelschraube entfernt werden, dann kann das Werk in das gesäuberte Gehäuse eingelegt und mit dem Werkhaltering fixiert werden. Danach wird die Aufzugwelle wieder eingeführt, mit der Winkelhebelschraube gesichert und nach einer letzten Überprüfung auf Fremdkörper wie Staub oder Textilfasern der Boden aufgedrückt. Es ist übrigens eine gute Idee, während der gesamten Montage eventuelle Fingerabdrücke und Staubpartikel peinlichst mit Reinigungsgummi (Rodico) zu entfernen. | | An dieser Stelle möchte ich mich bei Klaus Jakob für sein Vertrauen bedanken. Er hat mir selbstlos diese Uhr als Demonstrations- und Übungsobjekt zur Verfügung gestellt. Bevor sie wieder an Ihn zurückgegangen ist, habe ich sie während einer Woche bei mir getragen und mich von der einwandfreien Funktion überzeugt. |
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