| Sinn 903 ST |
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Modellbeschreibung Als Nachbau eines berühmten historischen Vorbildes, der Breitling Navitimer aus den späten 50ern, hat sie nicht zuletzt ihres günstigen Preises wegen, einen Platz in den Herzen zahlreicher Uhrenfreunde gefunden. Und das, obwohl sie nie authentisch war: Die Ur-Navitimer wurden von den Venus Kalibern 175 und 178 angetrieben. Das Lemania-Werk wird bei Breitling nur in der Cosmonaute mit der 24h-Anzeige verwendet. Trotzdem ist sie nach wie vor ein beliebtes Modell, war es doch die günstigste Möglichkeit an das Werk der Omega Speedmaster Professional, der berühmten Moonwatch, heranzukommen. Leider ist damit jetzt Schluß: Lemania liefert nur noch Werke an Konzernschwestern und die Produktion der 1873/74 und deren Varianten wie z.B. das Mondphasen-/Kalenderwerk 1883/84 wird fast komplett von Omega abgenommen. Glücklicherweise konnte ich noch ein Exemplar ergattern. Das gleiche Schicksal wird auch das 5100er ereilen, die Teileproduktion ist bereits eingestellt, Werke werden nur noch bis Ende 2002 montiert.
Gehäuse, Band und Tragekomfort Vom Gehäuse her ist die 903 äußerst authentisch, unbestätigten Gerüchten zu Folge verwendet Sinn Gehäuse und Zifferblätter aus ehemaligen Breitling-Beständen. Das dies nicht stimmen kann, zeigt der Vergleich mit echten alten Breitling, wie sie heute noch von Ollech & Wajs in Zürich unter dem Namen Aviation angeboten werden. Die Zifferblätter können ohnehin nicht original sein, da die alten Venus- und Valjoux-Werke andere Abstände bei den Totalisatoren hatten. Trotzdem sieht das Gehäuse den Originalen sehr ähnlich und ist für die Preisklasse sehr gut verarbeitet. Die Seiten von Gehäusemittelteil und Lünette sind sehr sauber und gleichmäßig gebürstet, der gravierte Boden, die Oberflächen der tief heruntergezogenen Hörner und der Lünette sind auf Hochglanz poliert. Das bombierte Deckglas ist nicht entspiegelt, was auch nicht weiter tragisch ist. Die auftretenden Lichtreflexe unterstützen das klassische Design des Gehäuses gut. Das Glas dreht sich übrigens mit der Lünette mit, hier liegt auch der Grund der fehlenden Wasserdichtigkeit. Schön wäre ein Saphirglas gewesen, der Aufpreis wäre bestimmt zu verschmerzen. Eine derartige Konstruktion läßt sich einfach nicht zuverlässig abdichten, die Originale waren auch nicht wasser-dicht, darum hat man auch auf einen verschraubten Boden verzichtet. Zum Händewaschen und für gelegentliche Regengüsse reicht es allemal, für mehr war die Uhr auch nie gedacht.ot;> Das Fenster im schön gravierten Boden gibt den Blick auf das kaum dekorierte Handaufzugkaliber frei. Gegenüber der Omega Speedmaster wurde der Blockierhebel des Chro nozentrumsrades aber aus Metall gefertigt, was bei einer Glasbodenuhr einfach besser aussieht. Trotz der ausgewachsenen Größe von 41 mm und einer Bauhöhe von 13 mm wirkt die 903 kleiner und trägt sich, dank der tief herunter gezogenen Hörner äußerst angenehm. Lediglich die frech hervorstehenden Chrono-Drücker können sich gelegentlich in grobmaschiger Kleidung verhaken, ansonsten gibt es nichts auszusetzen. Das Rindslederband mit der weißen Ziernaht ist trotz des extrem günstigen Preises von erstaunlich guter Qualität und auch recht haltbar. Die Schließe ist ebenfalls auf Hochglanz poliert und sehr stabil.
Bedienung & Ablesbarkeit An der Bedienung gibt es nichts zu meckern. Die Drücker lassen sich mit eindeutigem Druckpunkt betätigen - Start, Stopp und Nullstellung funktioniert eindeutig und zuverlässig - die Nockensteuerung ist sehr präzise gefertigt und nicht weit von einem Schaltrad entfernt. Die sehr groß dimensionierte Krone ist leichtgängig, da die Uhr als nicht wasserdicht deklariert wird, hat man wohl auf eine zu dicke Dichtung verzichtet. Das tägliche Aufziehen gestaltet sich daher wirklich angenehm. Daß das Werk keinen Sekundenstopp bietet ist leicht zu verschmerzen, die Zeigerstellung verläuft relativ spielfrei, durch Zurückdrehen der Krone kann die Unruh angehalten und somit die Zeit einigermaßen genau eingestellt werden. Trotz des, mit zahlreichen Informationen bedruckten, Zifferblattes, läßt sich Zeitanzeige und Chronograph sehr gut ablesen. Die seidenmatte Lackierung in Verbindung mit gestochen scharf gedruckten Ziffern und Linien sowie silbern abgesetzten Hilfszifferblättern mit Ringschliff, bietet einen hohen Kontrast. Zeiger und Stundenziffern sind dick mit Tritium beschichtet, so ist die Sinn auch bei Dunkelheit gut abzulesen. Die Lünette bietet, in Verbindung mit den äußeren zwei Skalen des Zifferblattes, einen Rechenschieber mit einer Ringskala. Mit diesem können, neben Dreisatzrechnungen, Multiplikationen und Divisionen, dank der erweiterten Skalen auch Umrechnungen von Kilometern in See- oder Landmeilen sowie Entfernungen, Geschwindigkeiten, Treibstoffverbräuche und Reisezeiten berechnet werden. Eine ausführliche Anleitung mit Beispielen befriedigt den Beschäftigungstrieb. Die Zeiger sind in ihrer Länge korrekt angepaßt und erreichen ihre jeweiligen Skalen optimal.
Werk & Gangwerte Ob nun dieses Werk oder das Kaliber 321 auf dem Mond war, werden wir wohl nie erfahren. Weder Omega noch die NASA und noch nicht einmal Mr. Armstrong selbst konnte diese Frage, anläßlich seines Besuches an der Uhrenmesse 1992 in Basel gestellt, restlos klären. Tatsache ist jedoch, daß es sich beim Lemania 1873 um eines der robustesten und servicefreundlichsten Handaufzugs-Kaliber handelt, das je in einem Chronographen verwendet wurde. Nicht umsonst hat auch der 1966 lancierte Nachfolger des Schaltradkalibers von 1957 alle NASA-Torturen mit Leichtigkeit bestanden. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß die Gangwerte sehr gut sind. Während der Einlaufzeit lag der tägliche Gang zwar noch bei +11 s/Tag, dies aber sehr konstant. Mittlerweile hat er sich bei +6 s/Tag eingependelt, ein Wert der sich leicht noch zum Besseren korrigieren läßt. Die lagebedingten Abweichungen bleiben unter 2 s/Tag, respektabel für eine solche Konstruktion. Die Angabe der Gangreserve von 48 Stunden ist zutreffend, nach einem Vollaufzug früh morgens läuft die Uhr auch am übernächsten Tag noch.
Qualitativer Eindruck Man sieht dem Gehäuse schon an daß es aus einer Stanze kommt, durch die sorgfältige Bearbeitung der Oberflächen entsteht hier aber kein negativer Eindruck. Das Zifferblatt könnte auch einer doppelt so teuren Uhr gut zu Gesicht stehen, die Zeiger sind von durchschnittlicher Qualität aber sehr sauber gesetzt. Das bei dem günstigen Preis der Uhr kein Saphirglas geliefert werden kann, ist selbstverständlich. Da konstruktionsbedingt keine Wasserdichtigkeit gewährleistet ist, fällt die 903 ohnehin nicht in das Kapitel Sportuhren, so ist man ohnehin gezwungen etwas mehr auf das gute Stück aufzupassen.
Fazit In Anbetracht des Preises von knapp 1100 Euro ist die Sinn 903 ST mit ihrem interessanten Werk in einer gut gemachten Schale mit klassischem Design und netten Sonderfunktionen ein absolutes Sonderangebot. Bleibt nur ein einziger Wermutstropfen: Es gibt sie nicht mehr. Wer also noch irgendwo eine findet, sollte zuschlagen.
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