| Zenith El Primero Class HW |
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Modellbeschreibung In den Katalogen ist sie noch nicht zu finden, so brandneu ist dieses Modell. Als Nachfolger der Class Prime gibt es dieses Modell seit Anfang 2000 mit schwarzem Zifferblatt und dunkelbraunem Reptillederband. Ab Herbst 2001 wurde der HW diese Variante mit cremefarbenem Zifferblatt und hellbraunem Band zur Seite gestellt.
Gehäuse, Band und Tragekomfort Gegenüber dem automatischen Pendant ist das Gehäuse der HW um knapp 2 mm grösser. Durch die geringe Höhe von nur 11 mm ergibt sich somit eine sehr flach und elegant wirkende Uhr. So manches Dreizeigermodell macht da einen massiveren Eindruck. Das dreiteilige Gehäuse, das Zenith übrigens nicht selbst herstellt, besteht aus Edelstahl und ist ein Stilmix aus den 40er bis 60er Jahren. Während die Lünette und der gedrückte Boden sowie auch die Gehäuseseiten auf Hochglanz poliert sind, ist das Mittelteil auf der Oberseite gebürstet. Zusammen mit der ausreichend grossen Krone und den schön gerundeten Blockdrückern ergibt sich ein sehr klassisches Gesamtbild. Das Deckglas ist bündig in die Lünette eingepasst und beidseitig entspiegelt, hier scheiden sich nun die Geister. Während die Entspiegelung tiefe Einblicke in das bombierte Zifferblatt erlaubt, ist es auch ein ewiger Quell von störenden Flecken und Reflektionen. Wassertropfen oder Handcreme fallen erheblich mehr als bei nicht entspiegelten Gläsern auf. Wie bereits erwähnt, ist der Boden nur aufgepresst, die Wasserdichtigkeit wird trotzdem mit 100 m angegeben. Da die Uhr aber in den Bereich der klassischen Leder-banduhren fällt - mit Edelstahlband wirkt sie nicht so schön - dürfte dies aber ohnehin kein Manko sein. Das Fenster im schön gravierten Boden gibt den Blick auf das kaum dekorierte Handaufzugkaliber frei. Gegenüber dem automatischen Pendant bietet die HW den Vorteil der freieren Sicht auf das Werk. Die Uhr wirkt deutlich flacher als sie wirklich ist und trägt sich sehr angenehm. Die glatte und sehr runde Oberfläche gleitet leicht unter Hemdmanschetten. Die Zenith stört nie am Arm, auch das Gewicht fällt praktisch nicht auf. Für einen Chronographen mit 40 mm Durchmesser ist der Tragekomfort exzellent. Das nicht rembordierte Reptillederband ist von guter Qualität, gleichmäßig genarbt und sauber vernäht. Lediglich die Fütterung ist für das zarte Deckleder etwas zu hart und zeichnet sich stellenweise recht deutlich ab. An der Schliesse wurde offenbar gespart, sie will einfach nicht ins Gesamtbild passen. Kommt noch hinzu, daß sie sich leicht verbiegen lässt und dann der Federsteg herausspringen kann. Ich mußte hier jedenfalls schon zweimal Hand anlegen. Zenith sollte unbedingt eine adäquate Faltschließe serienmässig anbieten, gegen Aufpreis ist sie erhältlich und kann nur wärmstens empfohlen werden.
An der Bedienung gibt es nichts zu meckern. Die Drücker lassen sich mit deutlichem Druckpunkt betätigen - Start, Stopp und Nullstellung funktioniert eindeutig und zuverlässig - mit ein Verdienst der Schaltradsteuerung. Die Krone ist zwar durch die satt sitzende Dichtung recht schwergängig, beim täglichen Aufziehen sind aber nur etwa 16-18 Drehungen nötig. Wie beim El Primero üblich, ist auch hier die Kronenposition für Zeiger- und Datumseinstellung vertauscht. Dass das Werk keinen Sekundenstopp bietet ist leicht zu verschmerzen, die Zeigerstellung verläuft spielfrei und satt, durch Halten der Krone kann die Unruh angehalten und somit die Zeit sekundengenau eingestellt werden. Trotz des hochglänzend lackierten, cremefarbenen Zifferblattes, lässt sich Zeitanzeige und Chronograph recht gut ablesen. Durch die schwarze Umrandung der Zahlen ergibt sich ein ausreichender Kontrast. Die Nachtablesbarkeit ist dank SuperLuminova auf Ziffern und Zeigern sehr gut, die Anzeige hält bis zum Morgen durch. Leider fehlt eine Hervorhebung der vollen Stunden in der Minuterie, so muß manchmal die gestoppte Zeit abgezählt werden. Die Hilfszifferblätter heben sich durch einen Ringschliff vom restlichen Zifferblatt ab und sind leicht vertieft. Die Zeiger passen von der Form her gut zum Zifferblatt, sind in ihrer Länge optimal angepasst und folgen der Wölbung des Zifferblattes.
Über das Werk möchte ich nicht viele Worte verlieren, das El Primero und seine Geschichte ist hinreichend bekannt. Man kann durch den Glasboden leider nicht sehr viel mehr als beim Automaten erkennen. Dies liegt hauptsächlich daran, dass Zenith die Chronographenbrücke für das Handaufzugmodell nicht neu entworfen hat, sondern in das Regal des Automaten greift. Die unbenutzten Befestigungspunkte der Rotoreinheit sind deutlich zu erkennen. Hier hätte man noch etwas mehr Transparenz einbringen können. Die Angabe der Gangreserve von 55 Stunden scheint zuzutreffen, nach einem Vollaufzug früh morgens lief die Uhr am späten Nachmittag des übernächsten Tages immer noch, sie wurde dann vorsorglich wieder aufgezogen. Die Gangwerte schwankten während der Einlaufzeit recht stark, so waren beim täglichen Tragen unter vergleichbaren Bedingungen Abweichungen bis zu 15 s/Tag feststellbar. Mittlerweile hat sich dies auf einen recht konstanten Vorgang von etwa 4 s/Tag reduziert. Allerdings zeigt die Zeitwaage noch immer Differenzen bis zu 8 s/Tag, besonders in den Lagen Zifferblatt oben/unten wird sie recht schnell. Hier hätte ich etwas bessere Werte erwartet, gerade bei einem Schnellschwinger, dessen konstruktives Ziel ja gerade ein konstantes Gangergebnis war und ist. Ich werde diese Angaben ergänzen sobald sich Änderungen im Gangverhalten ergeben.
Leider ist der Eindruck den die Zenith El Primero Class HW hinterlässt etwas zwiespältig. Auf der einen Seite glänzt sie mit klassischem Design und einem sehr exklusiven Werk (nur der Automat wird an andere Uhrenhersteller geliefert), auf der anderen Seite liegen die Gangwerte etwas unter den Erwartungen, die man an ein EL Primero stellt. Kann man die Gangwerte noch vernachlässigen, so passt die billig wirkende Schließe einfach nicht ins Bild. Darüber hinaus ist die Satinierung der Gehäuseoberseite in Bezug auf Richtung und Stärke nicht besonders gleichmässig. Daß auf dem Zifferblatt ein Kratzer, vermutlich vom Zeiger setzen, zu sehen ist, der Minutentotalisator nicht exakt auf Null steht und beide Totalisatoren vertikal nicht sauber ausgerichtet sind, sollte bei einer Uhr dieser Preisklasse nicht passieren. Dass es sich hierbei nicht um einen Einzelfall handelt, habe ich vorsorglich durch Inspektion mehrerer Modelle in unterschiedlichen Geschäften nachgeprüft.
Trotz der beschriebenen Mängel, die sich allesamt anlässlich einer Inspektion leicht beheben lassen, kann ich die Uhr empfehlen und würde sie auch wieder kaufen. Der Preis ist allerdings für das Gebotene an der Obergrenze, die Konkurrenz bietet hier mehr. Vor der nächsten Erhöhung sollte Zenith die Qualtitätskontrolle verbessern und die Ausstattung mit einer besseren Faltschliesse in Erwägung ziehen. Ergänzung: Die beschriebenen Mängel wurden von Zenith anlässlich eines unbürokratisch und sehr rasch durchgeführten Service zur vollen Zufriedenheit beseitigt. Auch die Gangwerte liegen nun, für eine Handaufzuguhr, völlig im Rahmen.
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