| Rolex Sea Dweller |
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Modellbeschreibung Die Sea-Dweller - zu deutsch Meeresbewohnerin - um die es hier geht, entstammt der 1953 lancierten Familie der Submariner. Sie gehört damit zu den Urvätern der professionellen Taucheruhren, Rolex war und ist mit diesem Design zum Vorbild für zahllose Nachahmer geworden. Die erste Sea-Dweller 2000 (610m wasser-dicht) wurde 1971 vorgestellt. Sie entstand in Zusammenarbeit mit Tauchern der französischen Comex, einer Spezialfirma für Tiefseeoperationen. Die Taucher setzten damals bereits die Submariner-Modelle ein, wünschten sich aber für den Einsatz in extremen Tiefen eine noch robustere Uhr. Gleichzeitig stellt der Einsatz in Tauchglocken besondere Anforderungen. Dort wird ein Gemisch aus Sauerstoff und Helium geatmet. Die Helium-Moleküle sind sehr klein und dringen auch in das Gehäuse einer noch so gut gedichteten Uhr ein. Das wäre an sich kein Problem, allerdings können sie beim Auftauchen nicht schnell genug heraus, beim raschen Nachlassen des Umgebungs-drucks kann die Uhr daher explodieren. So hat man sich bei Rolex des Problems angenommen und ein Ventil an der, der Krone gegenüberliegenden Seite, angebracht. Durch dieses Ventil kann das Helium gefahrlos entweichen. 1980 wurde die Sea-Dweller 4000 (1220m wasserdicht) in ihrer jetzigen Form vorgestellt. Sie unterscheidet sich von ihren kleinen Schwestern, den beiden Submariner-Modellen, in einigen ganz entscheidenden Punkten.
Geschichte und Hintergründe Über die Enstehungsgeschichte dieser einzigartigen Manufaktur aus Genf ist wohl mehr als über jede andere geschrieben worden. Ich will daher nur das Wichtigste kurz zusammenfassen: Der im Jahre 1881 im bayrischen Kulmbach geborene Kaufmann Hans Wilsdorf ging im Alter von 19 Jahren nach La-Chaux-de-Fonds. Beim Uhrenexporteur Cuno Korten erlernte er die Praxis des Uhrenhandels um dann 1905 in London die Firma Wilsdorf & Davis zu gründen. Seine Idee, Uhren für das Handgelenk zu produzieren, war zu jener Zeit noch weitgehend unbekannt. Mit Partner Davis hatte er einen Gehäusehersteller gefunden, als Uhrwerke wurden kleine Formwerke für Anhängeruhren der Firma Jean Aegler in Biel verwendet. Die Modelle, welche über ein robustes Gehäuse aus Stahl oder Silber und elastische Metallbänder verfügten, waren sehr beliebt und bereits 1908 gehörte Wilsdorf zu den größten Herstellern auf der Insel. Zu jener Zeit war es noch üblich, daß Uhren den Namen des Verkäufers und nicht des Hersteller trugen. Wilsdorf erkannte aber, daß sich Qualität nur über einen bekannten Namen in großem Stil verkaufen ließ. So wählte er den Begriff Rolex. Obwohl es sehr viele Gerüchte über die Herkunft dieser Wortschöpfung gibt, ist es eine Tatsache, daß Wilsdorf sie frei erfunden hat. Rolex besteht aus fünf Buchstaben (Symmetrie), ist leicht zu merken und kann in fast allen Sprachen ausgedrückt werden. Von 1908 an wurden immer mehr Uhren mit dieser Herstellerbezeichnung versehen. Wilsdorf wußte auch, daß ohne die Wertschätzung unabhängiger Institutionen kein Qualitätsnachweis zu erbringen war. So erhielt am 22. März 1910 die erste Rolex vom offiziellen Prüfbüro in Biel ein Zertifikat erster Klasse. Um auch auf dem englischen Markt bestehen zu können, wurden weitere Modelle an das National Physical Laboratory nach Teddington gesandt. Eine der Uhren bestand im Jahre 1914 die Prüfung, obwohl die Maßstäbe für Schiffschronometer zur Anwendung kamen (damals gab es noch keine Prüfprogramme für Armbanduhren). Mit einem Schlag war Hans Wilsdorf nun in den Kreis der besten Uhrenhersteller eingetreten. Mit der Einführung der Importzölle in Höhe von 33,3% kam für den Firmeninhaber 1915 ein harter Schlag. So zog er mit mehr als 60 Angestellten in die Büros nach Biel, die bereits 1912 wegen der Nähe zum Werkehersteller Aegler eingerichtet wurden. Im Jahre 1919 verlegte er den Firmensitz nach Genf und gründete in der Rue du Marché 18, die Firma Montres Rolex SA. In Genf wurden die Gehäuse produziert und die aus Biel gelieferten Werke eingeschalt. So konnte nun auch der Qualitätsbegriff swiss made auf die Zifferblätter gedruckt werden. Ab 1925 verwandte Hans Wilsdorf all seine Energie auf die Umsetzung neuer Ideen. Die Werke wurden immer besser, die Zertifikate häuften sich und Wilsdorf investierte hohe Summen in die Werbung. Doch nicht nur hier, sondern auch in der Fertigung wurden enorme Verbesserungen durchgesetzt. Bereits ab 1934 wurden alle Wellen und Zapfen mit 50x Mikroskopen auf ihre glatte Oberfläche kontrolliert, nebenbei experimentierte man mit unterschiedlichsten Stählen und Formen und verbesserte die heikle Schmierung. Darüberhinaus betätigte sich Wilsdorf auch als Erfinder. So ist ihm das wasserdichte Oyster-Gehäuse mit der verschraubten Krone (1926) ebenso zu verdanken wie der Selbstaufzug mit umlaufendem Rotor (1931). Die Wasserdichtigkeit der Auster wird im Herbst 1927 eindrucksvoll von der Londoner Stenotypistin Mercedes Gleitze unter Beweis gestellt. Sie schwamm in rund 15 Stunden durch den Ärmelkanal ohne daß die Uhr Schaden genommen oder Gangabweichungen gezeigt hätte. Ab 1945 zieht er sich mehr und mehr aus der Firmenleitung zurück, beschäftigt sich aber immer noch mit technischen Problemlösungen. Im Gedenken an seine 1944 verstorbene Gattin, vereinigt Hans Wilsdorf alle Aktien der Rolex Genf in der Stiftung Hans Wilsdorf die sowohl wissenschaftlichen Projekten wie auch gemeinnützigen Zwecken dient. Im Jahre 1960 verstarb Hans Wilsdorf Bis zum heutigen Tage sind die Produkte von Rolex von seinem Drang nach Perfektionierung beseelt. Anstatt auf empfindliche Komplikationen zu setzen, wird Bestehendes stetig verbessert und weiterentwickelt, selbst die Quarzwelle konnte der Manufaktur nichts anhaben. Mit der Vorstellung eines eigenen Chronographenkalibers und dem Einkauf sämtlicher Zulieferbetriebe hat sich Rolex in im letzten Jahrzehnt völlig verselbstständigt. Bis jetzt sind knapp 10 Millionen Uhrwerke von der C.O.S.C erfolgreich geprüft worden und mit über 1 Million produzierter Uhren pro Jahr gehören die Genfer heute zu den größten Uhrenherstellern der Welt.
Obwohl die Sea-Dweller der Submariner auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich sieht, ist kein wesentliches Teil mit dem der kleineren Schwester identisch. Um dem höheren Wasserdruck standhalten zu können, wurde das Gehäusemittelteil höher und innen massiver gestaltet. Der Boden ist ebenfalls dicker, so daß die Bauhöhe insgesamt um 2 mm wuchs. So ist denn die Uhr nach klassischen Regeln gestaltet. Das Gehäuse, aus dem vollen Material gefräst, verläuft ohne Absatz zu den Hörnern hin, die leicht nach unten gebogen sind. Der Vollgewindeboden ist nur mit einem Spezialwerkzeug zu öffnen und wird ab Werk mit rund 50 Nm verschlossen. Eine sehr dicke O-Ring-Dichtung sorgt für die gewünschte Druckfestigkeit. Die Hörner sind durchbohrt, so kann die korrekte Position der sehr dicken und stabilen Federstege von außen problemlos kontrolliert werden. Während die Oberseite des Gehäuses recht grob satiniert ist sind die beiden Seiten auf Hochglanz poliert. Die Lünette ist seitlich fein satiniert und auf der Oberseite poliert. Die bei einer Taucheruhr unverzichtbare, nur gegen den Uhrzeigersinn drehbare, Lünette hat eine sehr griffige Riffelung und ist ebenfalls deutlich dicker als bei den Submariner-Schwestern. Obwohl sie auf einem extrem dicken Tubus sitzt, wird die massive Triplock-Krone von zwei Gehäuse-Flanken gegen Schläge und Stöße geschützt. Mit der Einführung der Saphirgläser wurden die ehemals mattschwarz lackierten Zifferblätter gegen hochglänzend pulverbeschichtete ausgetauscht. Gleichzeitig verschwanden die auflackierten Markierungen, heute werden aufgesetzte Indice aus Weißgold mit eingelegter Superluminova verwendet. Auch die Skelett-Zeiger sind aus Weißgold und verfügen über Einlagen aus dem sehr hellen Leuchtstoff. Am Einsatz des Glasreifs hat sich nichts geändert, es handelt sich wie eh und je um einen Ring aus eloxiertem Aluminium, versehen mit einem Weissgold-Chaton, dessen eingelagerte Leuchtmasse von einer Saphir-Linse geschützt wird. Die Sea-Dweller verfügt, im Gegensatz zu allen anderen Modellen, schon seit über 10 Jahren über die sogenannten SEL (Solid End Links), aus massivem Stahl gefräste Anstöße an den beiden Enden des Bandes, die einerseits die Wertigkeit der Uhr und andererseits den Tragekomfort spürbar erhöhen. Aus Gewichtsgründen fertigt Rolex die Mittelglieder des verschraubten Bandes nicht massiv, auch die Schließe besteht aus gepreßtem Stahlblech. In der Schließe befindet sich ein auf Fingerdruck ausklappbares Verlängerungsglied, so kann die Uhr auch über einem Taucheranzug getragen werden. Sollte dieses nicht ausreichen, findet sich im Zubehör ein weiteres sowie ein recht hochwertiger Schraubendreher. Die Sea-Dweller ist wirklich nur Liebhabern von großen Uhren zu empfehlen. Sie ist deutlich dicker als ihre Schwestern und steht durch den gewölbten Boden bei schmalen Hand-gelenken ab. Trotzdem kann der Tragekomfort als gut bezeichnet werden, auch die recht scharfkantigen Unterseiten der Hörner waren beim Tragen nicht zu spüren. Trotz des Gewichts liegt die Uhr ruhig am Arm und fällt in keiner Weise unangenehm auf, mit auch ein Verdienst des leicht und fein zu verstellenden Bandes.
An der Bedienung gibt es absolut nichts zu mäkeln. Die Krone läßt sich geschmeidig auf- und zuschrauben, die Zeigerstellung läuft sehr satt und präzise, allerdings schlägt der Minutenzeiger beim Loslassen der Krone meist über eine Minute zurück. Man muß also beim genauen Einstellen der Uhrzeit etwas Geduld aufbringen. Dank Schnellverstellung gelingt auch die Datumseinstellung problemlos und ohne das Werk anzuhalten. Die Lünette rastet sehr fein und schwergängig genug um sich nicht zu verstellen, wenn man einmal versehentlich mit einem Hindernis auf Tuchfühlung geht. Dank der griffigen Riffelung läßt sie sich aber präzise einstellen. Dank der groß dimensionierten Indice und gut sichtbarer Zeiger bereitet das Ablesen der Uhrzeit unter keinen Umständen Probleme. Allerdings bilden sich, bedingt durch das nicht entspiegelte Glas und das hochglänzende Zifferblatt, sehr viele manchmal etwas störende Reflektionen. Mit den matt lackierten Zifferblättern war das früher besser. Der Drehring verfügt ebenfalls über eine Leuchtmarkierung, so daß seine Position auch bei Dunkelheit gut zu erkennen ist.
Der beste Grund sich eine Rolex zu kaufen ist mit Sicherheit das Kaliber 3135. Kaum ein Uhrwerk weicht mehr von den verbreiteten Standards ab wie dieses. So sind schon die Werk- und somit Bauteil-Dimensionen erheblich großzügiger ausgelegt als anderswo, eine Voraussetzung für gute Wartbarkeit, hohe Ganggenauigkeit und langes Leben. Die Liste der Andersartigkeiten liest sich wie ein Lehrbuch für reparaturfaule Präzisionsfanatiker: Automatischer Aufzug über rubingelagerten Zentralrotor und rot eloxierte Zwillings-Klinkenräder aus Aluminium, KIF-Flector-Stoßsicherung für Unruh und Ankerrad, Breguet-Spirale mit Feinregulierung über vier Mikrostella-Schrauben am Unruhreif, Clinergic-Ankerhemmung, alle Räder aus Berylliumbronze, außermittiges Minutenrad, Unruhbrücke statt Kloben. Seit November werden bei verschiedenen Modellen jetzt auch noch selbstgefertigte Spiralen eingesetzt. So hat man die gesamte Fertigung in eigender Hand. Die Unterschiede zwischen einem Rolex-Chronometer und einer anderen Uhr sind nicht nur sichtbar, sondern auch hörbar: Während die Hemmung der meisten Uhrwerke ein kurzes, hartes Tick-Tack von sich geben, klingelt das 3135 wie ein kleines helles Glöckchen. Auf der Zeitwaage wird dann der Unterschied zu den meisten Konkurrenten noch deutlicher sichtbar: Nach einer Einlaufzeit von 2 Monaten wurde die Uhr auf der Zeitwaage nachgemessen, die Werte hatten sich kaum verändert. Die maximale Abweichungen zwischen den Lagen beträgt 1 (eine) Sekunde, der durchschnittliche tägliche Gang +0,3 Sekunden. In der Praxis sieht die Sache noch viel besser aus: Die Sea-Dweller wurde exakt mit der Funkuhr synchronisiert und dann 4 Wochen lang recht unterschiedlich getragen. Es waren Phasen mit viel und auch wenig Bewegung enthalten, Temperaturen von -1 bis +32 im Urlaub. Die absolute Abweichung nach insgesamt 4 Wochen betrug exakt -1 (minus eine) Sekunde - perfekt!
Das komplette Gehäuse mit Lünette, Krone und Bandanstößen ist Maschinenbau vom Feinsten. Hier gibt es definitiv keine Kritik anzubringen. Auf die Tatsache, daß der Lünetteneinsatz aus einem preiswerten Aluminiumblech besteht, werde ich noch kommen. Die Verarbeitung von Zifferblatt und Zeigern steht hier nicht nach, auch wenn praktisch alle schwarzen und weißen Blätter der Sportmodelle Polierspuren in Form von winzigen Kratzerchen aufweisen. Falls da jetzt jemand gleich aufschreit und ruft "Meine nicht", oh doch, auch Ihre, Sie haben es nur noch nicht entdeckt. Es braucht schon eine sehr helle Lampe, ein gutes Auge und etwas Geduld. Das vielzitierte Oysterband mit der Blechfaltschließe wehrt sich ebenfalls vehement gegen jegliche Kritik: Es klappert nämlich im Gegensatz zu manch massiverem Konkurrenzprodukt so gut wie garnicht und hält die Uhr in jeder Lebenslage fest und sicher am Arm. Auch die hohlen Mittelglieder sind kein wirklicher Kritikpunkt, man sieht sie kaum und der Stabilität tun sie keinen Abbruch. Die Qualitäten des Werkes sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Es ist kein Geheimnis, daß auch nach sehr langen Jahren und kargem Service noch immer Chronometergangwerte erzielbar sind, wo manch andere Konstruktion kaum noch einen Zeiger bewegen kann.
Warum bekommt die Sea-Dweller denn nun nicht ihr Fett weg obwohl es da einige Dinge gibt die andere scheinbar besser machen und das noch zum geringeren Preis? Nun, weil die Uhr nichts dafür kann. Schuld hat eher die Erwartungshaltung der Käufer. Um meine Aussage zu verstehen muß man sich die Philsophie von Rolex genauer betrachten. Die Genfer produzieren im Wesentlichen Edelmetall-Uhren im höheren Preissegment. Stahl ist eigentlich nur ein sehr, sehr kleines Beigeschäft für professionelle Kunden. Die allgemeine Beliebtheit der preiswerten Stahlmodelle führt, speziell in Europa, zwar oft zu Unterversorgung und damit zum Unmut der Anwärter und Freude der Besitzer, ändert aber nichts an der Tatsache, daß in Genf über 90% Edelmetall produziert und verkauft wird. Daran ändert auch die scheinbar hohe Nachfrage nach Stahl nichts. Einerseits ist die gar nicht so hoch wie oft angenommen, andererseits ist man mit der Gesamtproduktion auch so schon völlig ausgelastet. Nun ist es auch so, daß gerade diese, eigentlich für Professionelle gedachten, Sportmodelle gar nicht schön und edel sein wollen. Sie sollen perfekt funktionieren und leicht wieder in Stand zu setzen sein. Die Konsequenz mit der diese Philosophie umgesetzt wird ist überall zu sehen: Form und Verarbeitung des Äußeren erlauben eine leichte und effiziente Aufarbeitung (jetzt kommt wieder der Lünettenring, die Schließe und die grobe Satinierung ins Spiel). Ein Profitaucher achtet nicht auf eine schlecht ablesbare, gravierte Lünette, schon gar nicht wenn sie völlig von Korallen zerkratzt ist. Die Aluscheibe läßt sich jederzeit preiswert ersetzen, ebenso die Schließe. So tut man den Professionals von Rolex und, allen voran, der Sea-Dweller unrecht, wenn man derartige Attribute kritisiert. Wer eine schöne und pefekt gemachte Uhr aus gleichem Hause will, sollte zur Yachtmaster, DayDate oder Daytona greifen. Für die anvisierte Zielgruppe jedoch, ist die Sea-Dweller mit allem gerüstet was man braucht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Well done - Rolex!
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