Start Uhren & Technik Erfahrungsberichte IWC GST Titan Chronograph
IWC GST Titan Chronograph

Modellbeschreibung

Als offizieller Nachfolger der Porsche-Design-Reihe 1997 vorgestellt, sind die GST-Modelle eine eigenständige Linie für Sportuhren. GST steht übrigens für die verwendeten Materialien Gold, Stahl und Titan.

Allen Modellen gemein ist das integrierte Band, dessen Glieder mittels zweier mitgelieferter Werkzeuge ohne Kraftaufwand zerlegt werden können. Gerade die Titanmodelle vertreten die GST-Reihe am würdigsten, durch die kontrastreiche Zifferblattgestaltung und der Verzicht auf glänzende Elemente stehen sie der typischen Instrumentenuhr am nächsten.

Das Design ist zwar modern aber recht zeitlos, schliesslich möchte man in Schaffhausen die GST-Reihe zu einer ganzen Familie ausbauen. Gestalterische Experimente sind da fehl am Platze. Deshalb kommt die Uhr gerade in der Titanversion eher unauffällig daher und das ist auch gut so.

 

Gehäuse, Band und Tragekomfort

Das Gehäuse sucht in dieser Preisklasse seinesgleichen, die Verarbeitungsqualität ist extrem hoch, die Toleranzen äusserst gering. Diese Tatsache fällt bei den Stahl- oder Goldmodellen noch deutlicher auf, das perlgestrahlte Titan bietet naturgemäss nicht das Lichtspiel wie sein poliertes und satiniertes Pendant.

Trotzdem lassen sich auch bei der Titanvariante sehr gut die Unterschiede zur Konkurrenz erkennen, da klappert nichts, da rasselt nichts, alles lupenrein gemacht. Da IWC als einer der wenigen Schweizer Uhrenhersteller seine Gehäuse und Bänder selbst aufwändig produziert, hat man natürlich einen gewissen Vorsprung. Dies gilt auch für die verwendeten Materialien: Es wurde für Gehäuse wie auch Band Titan Grade 2 (Werkstoffnummer 3.7035) verwendet. Dieser Werkstoff wird auch im Maschinen- und Anlagenbau eingesetzt und zeichnet sich durch sehr hohe Korrosionsbeständigkeit aus. Durch das Perlstrahlen mit sehr hohem Druck wird die Oberfläche verdichtet und dadurch recht unempfindlich gegen Kratzer.

Das bombierte Saphirglas ist nicht entspiegelt, sauber eingepasst und überspannt das, in seiner Mattierung variierende, schwarze Zifferblatt in einem sanften Bogen.

Die mit dem Fischsymbol verzierte Krone und der geprägte Boden sind verschraubt, IWC gibt eine Wasserdichtigkeit von 120 m an. Die Chrono-Drücker sind nicht verschraubt und sollten unter Wasser auch nicht betätigt werden.

Mit knapp 40 mm ist der GST Automatik Chronograph kleiner als seine neu hinzugekommenen Brüder und dadurch auch für kleinere Handgelenke geeignet. Dabei wirkt die Uhr auf keinen Fall klein. Der Tragekomfort ist bei der Titanversion hervorragend, gerade im Sommer kann man das Band relativ locker einstellen, die GST verrutscht durch ihr geringes Gewicht trotzdem nur wenig am Arm.

Das Band ist trotz des äusserst geringen Spiels an den Drehpunkten sehr flexibel und klemmt keine Haare ein. Die Schließe rastet eindeutig ein und hält auch beim Sport zuverlässig zu. Besonders erwähnenswert ist die Verstellbarkeit: Die sehr kräftigen Verbindungsbolzen haben in der Mitte eine Verengung und werden durch gefederte Drucktasten gehalten. Die Bolzen können durch Betätigen der Drucktasten kraftfrei aus den Gliedern herausgeschoben werden. Hierfür werden zwei Werkzeuge mitgeliefert. Zur Längenanpassung steht ein eineinhalbfach langes Einstellglied zur Verfügung, somit sollte für jeden Armumfang eine Anpassung möglich sein.

 

Bedienung & Ablesbarkeit

Bei der Bedienung fällt auf, daß IWC das Werk stark verändert hat. Die Zeigerstellung läuft satter als gewohnt, auch die Chronodrücker haben einen definierten Druckpunkt. Durch den Sekundenstopp lässt sich die Uhr mit dem Zeitsignal synchronisieren. Wie gewohnt, kann der Wochentag und das Datum in der mittleren Kronenposition schnell verstellt werden.

Die Krone ist, wie es sich für eine Sportuhr gehört, groß dimensioniert und läuft auf einem entsprechend dicken Tubus. Sie fasst das Gewinde einwandfrei und läßt sich butterweich verschrauben.

Im Gegensatz zu den Stahl- und Goldmodellen ist das Zifferblatt bei der Titanvariante in schwarzweiss gehalten. Es ist seidenmatt schwarz lackiert, die reinweisse Beschriftung ist außergewöhnli ch scharf und gleichmässig gedruckt. In Verbindung mit den durchgängig weißen Zeigern ergibt sich eine perfekte Ablesbarkeit ohne störende Reflektionen, vergleichbar mit der Omega Speedmaster Professional. Schön auch, das man die Scheiben für Datum und Wochentag farblich angepasst hat. Die Stundenindices, aufgesetzte kleine Kunststoffblöcke, sowie die Zeiger sind mit Tritium beschichtet, so ist die Uhrzeit auch Nachts gut abzulesen.

Auf dem Rehaut befindet sich eine Tachymeterskala, die ruhig ein paar Zwischenwerte mehr enthalten könnte. Die Zeiger sind in ihrer Länge korrekt angepasst und erreichen ihre jeweiligen Skalen optimal. Der Stoppsekundenzeiger ist an der Aussenseite zur besseren Ablesbarkeit leicht nach unten gewölbt.

 

Werk & Gangwerte

Obwohl sich in dieser Preisklasse bereits etliche Manufakturkaliber tummeln, verlässt sich IWC auf das bewährte und weit verbreitetete Valjoux 7750. Nicht ganz, denn die Schaffhauser beziehen vom Hersteller ETA lediglich einen Werksatz bestehend aus Platine, Brücken und Räderwerk. Das Ganze in Einzelteilen, versteht sich.

Nachdem alle Komponenten feinbearbeitet und vergoldet wurden, wird das Höhenspiel der Räder vermessen und neu justiert. Zahnflanken von Rädern und Trieben werden überarbeitet, selbst die Steinlager fallen der Renovierung zum Opfer. Das Getriebe ist anschliessend so leichtgängig, daß ein eigens entwickeltes Federhaus mit lediglich einem Bruchteil der Antriebskraft eingesetzt werden kann. Dies schont die Mechanik und erhöht die Lebensdauer ungemein. Die komplette Hemmung bestehend aus Ankerrad, Anker, Unruh, Spirale und Feineinstellung stammt ohnehin aus eigener Fertigung. Die Umbaumassnahmen machen auch vor der Chronofunktion nicht halt: Eine Nachbearbeitung aller Hebel und Federn sowie eine völlig neu konstruierte Pendelmechanik im Drückerbereich lassen das etwas indifferente Gefühl beim Betätigen herkömmlicher 7750er Tasten schnell vergessen.

Bei all diesem konstruktiven Aufwand müssten die Gangwerte entsprechend ausfallen. Und so ist es auch nicht anders zu erwarten: Nach einer Einlaufzeit von wenigen Wochen hat sich die GST im täglichen Einsatz bei 0,1 (nullkommaeins) s/Tag eingependelt und das nun schon seit knapp drei Jahren. Dabei spielt es keine Rolle ob der Träger im Büro sitzt oder mit dem Mountain-Bike unterwegs ist. Die Zeitwaage zeigt lagebedingte Abweichungen von weniger als 0,05 s/Tag. Bei diesen exzellenten Werten kann sich IWC die Kosten für eine Chronometerprüfung getrost sparen, man glaubt es auch so.

Die Angabe der Gangreserve von mindestens 42 Stunden ist zutreffend, nach einem Vollaufzug früh morgens läuft die Uhr auch am übernächsten Tag noch.

 

Qualitativer Eindruck

Man kann den GST Chronographen mit einer 10x Lupe betrachten und wird keinen Makel finden. Angefangen beim Band, über das Gehäuse bis zum exzellent bedruckten Zifferblatt und den perfekt gesetzten Zeigern, alles ist Maschinenbau vom Feinsten. Eigentlich sollte sie nicht GST sondern Ingenieur heissen.

Auch das Werk erweckt einen höchstwertigen Eindruck. Die Gangwerte, nun seit knapp drei Jahren konstant, sprechen eine klare Sprache. Hätte IWC noch eine selbst entwickelte, augenblickliche Datumsumschaltung untergebracht, wäre alles perfekt.

Die Widerstandsfähigkeit der verwendeten Titanlegierung ist faszinierend. Trotz regelmäßigem Einsatz der Uhr, gerade in der warmen Jahreszeit und bei Outdoor-Aktivitäten, lassen sich Gebrauchsspuren nur mit Mühe und unter Verwendung von Halogenlampen und einer Lupe erkennen. Die Fotos auf dieser Seite belegen dies.

 

Fazit

Teuer ist die GST und ein Manufakturwerk hat sie auch nicht, obwohl vom ursprünglichen ETA-Kaliber wenig übrig bleibt. Trotzdem ist sie eine der interessantesten Sportuhren die momentan auf dem Markt sind. Alles was man sehen und anfassen kann, ist einfach einen gutes Stück besser als anderswo, Funktion und Bedienung sind perfekt. Da man das Werk nicht sehen kann, spielt es auch nur eine untergeordnete Rolle, es soll funktionieren und das tut es ohne Zweifel. Dürfte ich nur eine einzige Uhr besitzen, sie wäre es bestimmt.

 

Datenblatt
Referenz 3707 (UVP 3200,- Euro)
Werk IWC Kaliber C.7922 Basis ETA 7750, einseitiger automatischer Aufzug durch kugelgelagerten Rotor, Chronograph mit Kulissensteuerung, Gangreserve 42 Stunden, Durchmesser 13,25 Linien (30 mm), Höhe 7,9 mm, 25 Lagersteine, Glucydur-Unruh, 28 800 A/h, KIF-Flector Stoßsicherung, Flachspirale mit Triovis-Feinregulierung, Datumsschnellverstellung, 272 Werkbestandteile
Funktionen Stunde, Minute, kleine Sekunde, Datum und Wochentag, Chronograph mit 30 Minuten- und 12 Stundenzähler, Tachymeterskala auf Rehaut
Gehäuse Titan Grade 2 (5%ige Legierung), Durchmesser 39,7 mm, Höhe 13,9 mm, Gewicht 135g mit Band, bombiertes Saphirglas (nicht entspiegelt), Schraubboden, Krone verschraubt, wasserdicht bis 120 m
Band Integriertes Titanband mit Tastenschließe und kraftfreier Längenanpassung
Varianten Versionen in Stahl und Gold, diese auch mit weissem Zifferblatt
Getestet April 1999